Der Teppich brennt

Antonio Guillebeau, 19.03.2019

Seit den 1990er Jahren wissen wir über die Konsequenzen unserer CO2 Emissionen Bescheid. Al Gore’s Film „Eine unbequeme Wahrheit“ ist von 2006, 13 Jahre her. Wir sind inzwischen im Jahr 2019. Was wurde bis heute gemacht, nach fast 30 Jahren ernster Klimawandel-Wissensschaft? Das Pariser Abkommen? Machen wir doch keine Witze. Wer dachte, dass dieses Abkommen überhaupt eingehalten wird, hat sich für dumm verkauft. Unsere Politiker haben bis jetzt kaum einen Finger gerührt. Forderungen wie die Flugticket-Abgabe wurden abgelehnt, gleichzeitig wird der Autobahnausbau vorangetrieben. Wie wir so bis 2050 netto Null erreichen, ist die Eine-Million-Franken-Frage, die niemand zu beantworten wagt. Der Bundesrat hat die ganze Problematik auf Forderung der ganzen Industrie unter dem Teppich gewischt, doch inzwischen hat es angefangen zu brennen. Die Flamme ist die heutige Jugend.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“ schreit die Menschenmenge im Waisenhausplatz. Es ist 13 Uhr Nachmittags, den 15 März, Tag der internationalen Klimastreiks. In Bern wird gegen die lahme Klimapolitik von Bundesbern demonstriert, der Graben zwischen der Jugend und der Politik vertieft sich sogleich die Jugend versucht, ihrern Willen durchzusetzen. Die Jugend will nichts wissen von Banken und Versicherungen schützen, Kampfjets kaufen, Ausländer verjagen und die Industrie zunichten der Natur bevorzugen. Das zeigt eben, wie die Schweiz regieren wird: eine Gerontokratie von Bauern und Geschäftsführern, die oft unheilige Allianzen mit Interessensgruppen und Lobbyisten verknüpfen und die Jugend für dumm und manipulierbar halten.

Doch damit sollte längst Schluss sein, wäre es nicht für die Tatsache, dass die, die am Freitag auf die Demo gegangen sind, eigentlich eine Minderheit der Jugend bilden.  Einen kurzen Einblick ins Gymnasium zeigt, dass von den meisten Schulklassen nur ein oder zwei Gymnasiasten überhaupt den Mut hatten, eine Absenz am Nachmittag zu melden. Die Jugendlichen, die ihre Stimmen gegen die Politik am 15 März erhoben, mussten noch eine Kompensation schreiben um die kantonale Regierung zufriedenzustellen. Tatsächlich hat die Schule noch nicht verstanden, was mit Streik gemeint wird; statt ihre Schüler zu ermuntern wirkt sie bürokratisch, genau so wie das System, das die Jugend versucht zu bekämpfen.

Also gegen was kämpft die Jugend schlussendlich? Gegen das CO2, gegen die Politik, gegen ihre Kollegen, gegen die Schule, gegen Avocados? So vielfältig sind die Probleme der heutigen Gesellschaft, die durch die älteren Generationen verursacht wurden und werden. Die Jugend ist da um sie zu lösen, doch ihr wird der Weg zu einer sauberen Zukunft geschlossen von ein paar Grauhaarigen, die denken, dass sie es besser wissen. Instrumentalisiert werden nicht die Jugendlichen von ihren Eltern, sondern unsere Politiker von sich selbst. Lasst die Jugend demonstrieren, lasst die Jugend sich engagieren, sich bilden, abstimmen, das System zerstören und von vorne anfangen, aber lasst die Jugend sich von ihrer Willenskraft trennen, die Welt zu verbessern!

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